Mai 2015 - Regina`s gespannte Reiseseite

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Cevennen - Ardeche

Cevennen - Ardèche - Tarn
Frankreich, Mai 2015


Nachdem wir 2012 auf dem Rückweg von den Katalonischen Pyrenäen durch die Cevennen gekommen sind, wollen wir uns diese tolle Gegend in diesem Jahr mal etwas genauer ansehen.
Zusammen mit Carmen und Peter aus Halle starten wir zur ersten Tagesetappe nach Besancon, checken im vorher gebuchten IBIS-Hotel ein und lassen den Abend gutgelaunt im Hotelrestaurant beim ziemlich überteuerten Flammkuchen ausklingen.


Bei der Auswahl des Hotels war mir wichtig, dass die Motorräder die Nacht über sicher parken. In der bewachten Tiefgarage können wir daher das Gepäck am Moped lassen und brauchen nicht alles mit auf`s Zimmer nehmen.

Der nächste Tag bereitet uns dann schon erstes Fahrvergnügen, aber auch die letzten 100 Kilometer, die es in sich haben: Ab St.Etienne geht es höhenmäßig steil bergauf und temperaturmäßig steil abwärts. Bei angezeigten 2,5 °C  und massivem Seitenwind und Starkregen kriechen wir durchnässt über diverse Pässe,  deren Schönheit  uns in diesem Moment entgeht...
Völlig durchgekühlt aber dennoch gut gelaunt erreichen wir endlich gegen Abend den Campingplatz in Villefort und beziehen unser kleines Mobilheim, froh, eine heiße Dusche nehmen zu können und erleichtert, dieses Mal kein Zelt aufstellen zu müssen.

        



Grotte de Trabuc  ca. 160 Km

Die Cevennen sind u.a. auch für ihre Grotten bekannt, von denen wir heute eine anschauen wollen. Die Grotte de Trabuc diente im 17. Jahrhundert den protestantischen Freiheitskämpfern, den Camisarden, als Zufluchtsort...soviel zur Historie. Wir sehen in der Grotte einen wunderschönen grünen See, einen Wasserfall, der dank des Regens auch Wasser führt und auch die einzigartige "Armee der 100000 Soldaten", eine Ansammlung von 10 cm hohen Stalagmiten, deren Entstehung heute noch im Ungewissen liegt. Da das Ganze auch noch temporär beleuchtet und mit Musik untermalt ist, erhält die Grotte einen fast mystischen Charakter, der zum Verweilen und Staunen einlädt.
Zurück nehmen wir zum zweiten Mal die D 160, ein Traum von Sträßchen, nicht ungefährlich bei Gegenverkehr, weil völlig unübersichtlich, aber für uns Fahrspaß pur. 1-3 mal steht uns ein kleiner Schutzengel zur Seite...der auch in den nächsten Tagen nicht von unserer Seite weichen darf...


Gorges del `Ardèche  ca. 280Km

Heute sind wir wieder alle vier unterwegs zur Ardèche-Schlucht. Solang der Wind nicht weht, sind es annähernd 30 °C im Schatten. Dem Mistral sei Dank, läßt es sich aushalten. Die Anfahrt über die Berge der Ardèche, Mittag mit Ausguck auf Paddler in Ruomis in einem Gartenrestaurant - wir lassen es uns gut gehen...Danach gehts weiter, leider mit wenig Ausblick, da die Straße oberhalb der Schlucht entlangführt. Außer an den 13 Aussichtspunkten bekommen wir während der Fahrt kaum etwas von der Schlucht zu sehen. Trotzdem ist diese Schlucht schon beeindruckend und wir überlegen kurz, ob wir die Schlucht nicht per Kanu abfahren sollten. Wir entscheiden uns dagegen, machen jedoch noch schöne Fotos mit der Pont d`Arc im Hintergrund, die natürlich auch bei uns nicht fehlen dürfen.



Mont Lozere - Gorges du Tarn - Cause Mejean - Gorges de la Jonte  
ca. 300 Km

Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. Ich hab mich  vorm Urlaub schon auf die Gorges du Tarn gefreut. Vor 2 Jahren schon einmal mit Gespannen durchquert, lassen wir heute unsere Solos durch die Schlucht schwingen.
Doch zuerst gondeln wir entspannt auf den 1699 m hohen Mont Lozere, von dem es einen herrlichen Ausblick, angeblich bis zum Mittelmeer, geben soll. Die Aussicht ist wirklich grandios und wir können uns fast nicht losreißen. Viele Fotos und in die Ferne schweifende Blicke später fahren wir aber weiter, denn auch wenn man nicht viele Kilometer fährt, so ist es doch ratsam, genug Zeit  mit auf den Weg zu nehmen: Wer versucht, die unzähligen Kurven zu zählen, gibt schnell auf und genießt den Rausch des Kurvenwedelns...
Nun folgen wir dem Tarn, der am Mont Lozere entspringt und erreichen Ispagnac, den Eingang zur Schlucht. Ab hier gehts recht spektakulär in engen Windungen, unter Felsvorsprüngen durch auf einer Straße entlang, die sich an bis zu 500 m hohe Felswände schmiegt.
In Ste-Enimie machen wir Rast, setzen uns in eines der zahlreichen Restaurants und genießen die regionale Küche mit Blick auf die Schlucht. Hier erleben wir schon etwas mehr Trubel als im noch verschlafenen Villefort, in dessen Nähe unser Campingplatz liegt. Gute Laune und Sonnenschein, der Anblick unserer Motorräder - nach einer kleinen Shoppingtour gehts weiter.
Wir verlassen die Tarnschlucht wenige Kilometer weiter in La Malène Richtung Causse Mèjean, einem karg bewachsenen Hochplateau welches Teil des Parc National des Cèvennes ist. Die kehrenreiche Straße schraubt sich zum schwindeligwerden kurvig und steil hinauf auf das Plateau. Bei Gegenverkehr wirds eng , jedoch erleben wir entspannte Autofahrer und so macht es einfach nur großen Spaß, diese Straße zu erklimmen. Die Straße unter den Rädern wird schmaler und wir folgen den Angaben meines Navis um zur nächsten Schlucht der Gorges de la Jonte zu gelangen. Die auf den ersten Blick karge Pflanzenweld des Causse Mèjean bildet einen krassen Gegensatz zu der üppigen Vegetation entlang des Tarn, ist aber bestimmt wert, einen Abstecher  auf Wanderschuhen zu unternehmen. An einer kleinen sternenförmigen Kreuzung müssen wir uns entscheiden, in welche Richtung es weiter gehen soll. Ich entscheide mich für die kleinste Straße, an der ein Schild das Verbot für Autos über 8 m Länge ausweist. Es wird interessant...und es geht steil, sehr steil bergab... Was nun folgt ist eine Mischung aus Entsetzen und purem Spaß. Dieser asphaltierte Feldweg, auf dem nicht mehr als eine Autobreite Platz ist, fordert unsere ganze Aufmerksamkeit: Es geht steil bergab, Schotter häuft sich im Mittelteil und wer nicht ganz schwindelfrei ist, der vermeidet tunlichst den Blick hinab ins Tal. Wer bis hierhin keine Übung im Kehren fahren hat, der macht heute einen Schnellkurs.Belohnt werden wir allerdings wirklich mit einer megaschönen Aussicht...mutig ist, wer es schafft, den Blick etwas länger zur Seite zu richten. Es lohnt sich allemal.
Nachdem wir einige Zeit später diesen Straßenabschnitt hinter uns gelassen haben, folgen wir der Gorges de la Jonte, genießen nun bewußt die gut ausgebaute Straße und treffen erschöpft, aber best gelaunt auf Peter. Er hat sich einen Tag Ruhe gegönnt und freut sich, uns gesund und munter wiederzusehen.Motorrad fahren macht hungrig und wir finden ein angenehmes Restaurant mit einem lustigen Wirt, der uns mit gutem Essen den Bauch füllt und mit dem einen oder anderen Witzchen bei Laune hält.
Das war ein richtig schöner Tag!


Dienstag Wandertag ca. 25 Km zu Fuß

Gönnen wir den Motorrädern doch mal einen Tag Fahrpause. Mit Wanderbotten und guter Laune gehts als Quereinsteiger zum Fernweg GR 72 und wir erfahren, wie ruhig und entspannend der Gang auf Schusters Rappen sein kann. Langsam erklimmen wir in sanftem Anstieg den Bergkamm und erleben wunderschöne Ausblicke. Ein Feuersalamander kreuzt unseren Weg und eine Wespe läßt sich auch durch den Auslöser meines Fotoapparates nicht aus der Ruhe bringen.
Was vom Motorrad aus als gelber Teppich anzusehen ist, können wir im Vorbeigehen anfassen: Ginster blüht hier überreichlich und verleiht der Gegend einen leuchtenden gelben Schein.Wir laufen durch den Wald, durchhüpfen Bachläufe, trinken das klare Wasser und entdecken auf diese Weise noch eine Vielzahl von kleinen Dingen......Zum Ende des Weges laufen wir die Straße in Serpentinen bergab, die wir einen Tag zuvor noch mit den Mopeds durchwedelt haben. Es ist schon ein lustiges Gefühl, eine Spitzkehre abzulaufen, wir lachen herzlich und fangen übermütig an zu brummen und suchen die Ideallinie.
Gut gelaunt erreichen wir unser "Zuhause" und gemeinsam mit Carmen und Peter fahren wir abends noch nach Villefort in eine von zwei Pizzabuden. Was dann kommt ist so ziemlcih die schlechteste Pizza, die ich je in meinem Leben gegessen habe. Sie ist soo weich und konsistenzlos, das ich vermute, sie hat den Backofen gar nicht von innen gesehen.Mal abgesehen von der grottenschlechten Pizza war heute ein richtig erholsamer, schöner Tag !


Mittwoch  Pont du Gard  ca. 270 Km
Dieses gigantische römische Aquädukt ist heute unser Tagesziel. Der Weg führt gen Süden und die Landschaft öffnet sich mit südlichem Flair bei feinstem Sonnenschein. Wir staunen, wie groß und wuchtig diese Brücke über den Gard  ist. Gebaut in der Mitte des 1. Jahrhundert n. Chr. flossen nach Fertigstellung etwa 20000 Kubikmeter Wasser täglich über den Aquädukt nach Nemausus(Nimes) ! Wir nehmen am Ufer des Gard in einem Cafe Platz und genießen den Anblick des Bauwerks und das schöne Wetter gleichermaßen. Auf dem Rückweg besuchen wir noch eine von vielen Potterien in Anduze und ich nehme die Herausforderung an, einen getöpferten Blumentopf heil nach Hause zu transportieren. Nicht nur das: Im Andenkenladen des Pont du Gard hatte ich vorher schon ein neckisches kleines Teeservice gefunden, welches auch mit mußte... So behandele ich nun mein Motorrad wie ein rohes Ei und überlege auf dem Rückweg zum Campingplatz, wie ich meine grazile Fracht zurück nach Meerholz bekomme.



Donnerstag, Mont Aigoual ca. 340 Km

Unsere heutige Tour zum Mont Aigoual führt uns erst mal Richtung Tarnschlucht, um dann aber nach links zur Jonteschlucht abzubiegen. Der zweithöchste Berg der Cevennen liegt südlich der Jonteschlucht und erhebt sich deutlich sichtbar zwischen den anderen Bergzügen. Die Fahrt hinauf gibt schon wunderschöne Ausblicke auf die Landschaft mit ihren immer wiederkehrenden Ginsterbüschen und der doch recht niedrigen Fauna ringsum.
Wenn wir geahnt hätten, was uns auf dem Berggipfel erwartet, hätten wir auf die"Gipfelerstürmung" wahrscheinlich verzichtet. So aber fahren wir gut ausgebaute, kurvenreiche Straßen und kommen auch gut voran. Ein etwas unangenehmer Seitenwind kommt auf... die Fuhren schaukeln, doch noch ist alles okay. Wir freuen uns auf eine Gipfelpause mit Kaffee und Kuchen - die letzte Straßenkuppe, der Parkplatz ist in Sicht. Schon beim Befahren des Platzes macht sich ein mulmiges Gefühl breit, welches sich noch steigert, als Martin versucht, eine Parklücke anzusteuern: Er biegt nach links in die Lücke und...wird sofort wieder hinausgedrückt! Ich denke noch: Was macht er denn jetzt? Im gleichen Moment schallt es im Ohr: "Huii, der Wind hat mich einfach wieder nach rechts weggedrückt ! Also umkreisen wir den Platz und versuchen auf der gegenüberliegenden Seite, sozusagen mit dem Wind unsere Mopeds auf den Seitenständer zu bekommen. Das gelingt uns auch, nur laufen sie Gefahr, direkt über den Ständer ausgehebelt zu werden. Das ist mal Sturm vom Feinsten! Mit viel Mühen bekomme ich meine Kamera aus dem Topcase, ohne das der Deckel im selben Moment abgerissen wird. Bei kuscheligen 2° C verzichten wir drauf, unsere Helme abzunehmen, merken aber auch sofort, dass Kommunikation nur möglich ist, wenn wir uns mit aller Kraft anbrüllen - und das bei einem Abstand von ca. 30 cm. Martin legt sich gegen den Wind und fällt nicht um... Ja, es IST stürmisch hier oben ! Schnell sind ein paar Fotos geschossen und Kaffee und Kuchen müssen warten... Wir wollen nur schnell wieder weg von hier.Das ist allerdings leichter gesagt, als getan: Beide sitzen wir wieder auf unseren Motorrädern und trauen uns erst mal gar nicht, den Seitenständer wieder einzuklappen, so bläst der Wind ! Ich sehe nicht, was Martin macht, denn das eigentlich routinemäßige starten des Motorrades gestaltet sich hier als Mutprobe. Jetzt müßte ich den Schlüssel drehen, nur dafür muß ich den Lenker loslassen - okay, das hab ich geschafft. Zweimal drücke ist den Starter, da ich nicht höre, ob der Motor läuft, schau ich eben nach der Drehzahl. Okay, nun den Gang einlegen.... ogottogottogott. Währenddessen reißt es mich hin und her und einigemale werden schon die Beine weich. Das Problem ist ja, dass ich nicht losfahren kann, ohne vorher den Seitenständer einklappen zu lassen - da war ja was - und ich hab Schiss ohne Ende. Nach alter Methode, rückwärtszählen bis null, überliste ich meine Panik und knall den Gang rein. Schnell die Kupplung kommen lassen und Gaaaas! Puh, geschafft! Ich bin ein Held!! Martin  ergeht es ähnlich und wir sind beide froh, diesen wunderschönen, aber für unser Empfinden etwas zu stürmischen Ort wieder verlassen zu können. Schade eigentlich.Ein paar Kurven weiter ist der Wind sozusagen verflogen , es ist fast windstill und die Temperatur steigt sofort wieder auf gemütliche 16 °C.
Später erfuhren wir, dass auf dem Mont Aigoual Windgeschwindigkeiten von 80km/h normal sind und beim Mistral Geschwindigkeiten zwischen 130- 180 km/h keine Seltenheit sind. Da wir die ganzen Tage schon unter den Mistralwinden zu leiden hatten, hatten wir uns demnach einen etwas ungünstigen Tag für den Mont Aigoual ausgesucht. Aber wir hatten doch auch Glück: Die höchste gemessene Sturmgeschwindigkeit war sagenhafte 335 km/h!  Außerdem entschädigte der zwar kurze aber wunderschöne Weitblick vom Gipfel.  Immerhin liegt der Gipfel an durchschnittlich 241 Tagen im Jahr im Nebel und es ist der niederschlagsreichste Ort in ganz Frankreich.
Nach einem Abstecher Richtung Anduze beenden wir unseren Rundkurs von Süden her kommend auf  hervorragend motorradfreundlichen Straßen, kurvenwedelnd und bei bester Laune...


Und eh man sich versieht, ist der Urlaub schon vorbei...

mit den tröstenden Worten des Platzwartes, er wundere sich, dass der Mistral in diesem Jahr schon 9 Tage anhält und er sowas in dieser Form noch nie erlebt hätte, verabschieden wir uns von Villefort und nehmen Fahrt wieder nach Besancòn, wo wir uns ein günstiges Hotel gebucht haben.  Der letzte Fahrtag hat dann nur noch ein kleines Highlight für uns: bei Sonnenschein vor einer Eisdiele sitzend, genießen wir ein letztes Mal das gute Wetter und erfreuen uns gemeinsam an den Erinnerungen der schönen Tage in den Cevennen. Wir sind uns einig, nicht das letzte Mal in den Cevennen gewesen zu sein...

Nachsatz: Dieses mal waren wir mit den Solomotorrädern unterwegs und haben es nicht bereut, die Gespanne zuhaus gelassen zu haben. Wir beide sind einfach auch gern kurvenschwingend in Schräglage unterwegs. Alles hat seine Zeit - der nächste Urlaub dann wieder auf 3 Rädern Richtung Bulgarien... Wir sehen uns?

 
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