England`s Süden und Wales - Regina`s gespannte Reiseseite

Regina`s gespannte Reiseseite
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England`s Süden und Wales

Südengland und Wales 2018
Moore, Leuchttürme und ein roter Drache
Langsam kommen die weißen Klippen von Dover in Sicht. Lange haben wir darauf gewartet , wohl wissend,was kommt: Linksverkehr, schmale Straßen, englische Kultur...
Wir genießen die ersten leckeren Fish and ships in Dover, der Urlaub beginnt. Vor zwei Tagen noch befanden wir uns auf dem Weg nach Dinant in Belgien, wo wir unsere schweizer Freundin Diana in unseren kleinen Konvoi aufnahmen. Gemeinsam wollen wir uns in den nächsten acht Tagen im Rosamunde-Pilcher-Land umschauen: Cornwall, Devon, Somerset und Dorset laden ein. Zum Abschluss unserer Inseltour darf jedoch auch ein Abstecher nach Wales nicht fehlen. Schöne Erinnerungen aus vergangenen Reisen verlangen danach
Es ist spät geworden im Pub. Guinnes und Cider am Abend zuvor haben einen frühen Start in den ersten Fahrtag nicht verhindern können. Am Abend erreichen wir den Campingplatz „Hole Station Adults Only Woodland Camp“ im winzigen Örtchen Highampton  in der Grafschaft Devon. Er wird privat geführt und hält einige Besonderheiten bereit, die einerseits belustigend, andererseits aber auch etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen: Zelten mitten im Wald, das Gepäck wird mit überdimensionalen Schubkarren  über einen holprigen Fußweg zu einer Lichtung geschoben.  Aber es kommt noch besser: Die Sanitäranlagen geben zunächst Rätsel auf, die wir aber unter Lachen und so manchem Wortwitz schnell lösen können. Ökologie in Reinform, denn es gibt  eine, besser zwei Trenntoiletten: Eine für„Poo“ und eine für „Pee“.
„Dan the fishman“ bietet, wie soll es anders sein, frische Fische an. Der Bauernmarkt in Hatherlay ist ein Treffpunkt für Jung und Alt. Ein Tipp vom Campingwirt hat uns hierher gebracht. Neugierig schlendern wir von Stand zu Stand und sind sofort von der familiären Atmosphäre am Platz fasziniert. Alle scheinen sich zu kennen, es wird geplaudert, gelacht und lautstark um Preise gefeilscht. Wir Touris platzen sogar mitten hinein in eine Versteigerung.Den Kauf von lebenden Kaninchen überlassen wir dann aber doch gern den Einheimischen und begnügen uns lieber mit lecker Brot, handgemachtem Käse und anderen Köstlichkeiten.Das Abendbrot ist somit gesichert. Nach 2 Stunden Schauen und Staunen geben wir im Navi ein neues Ziel ein: Das Castle Drogo, jüngstes Landschloss in Great Britain, Baubeginn 1910 und 1930 fertiggestellt. Als wir ankommen, fällt uns als erstes die offensichtliche Vermarktung des Schlosses auf. Ein großer Parkplatz, Infotafel, Infopavillon mit integriertem Shop und Fastfoodrestaurant wirken auf uns eher abstoßend. Das Schloss ist aufgrund von Renovierungsarbeiten des Daches vollständig mit Folie umhüllt und bietet keinerlei Ansicht. Etwas genervt beschließen wir, auf teuren Eintritt und somit auf eine geführte Besichtigung zugunsten der vielen anderen Besucher zu verzichten.Eine Weiterfahrt auf kleinsten Sträßchen durch`s berühmte Dartmoor erscheint uns sehr viel  spannender zu werden.  Vom Film „ Der Hund von Baskervilles“ inspiriert erwarten wir düster und unheimlich wirkende, tiefhängende Nebelschwaden über einer  von wabernden Torfmooren durchzogenen Landschaft. Die Enttäuschung hält sich in Grenzen, als wir bei leuchtend blauem Himmel eine grüne Moorlandschaft präsentiert bekommen. Weit und breit erstrecken sich grüne Hügel, gespickt mit Granitfelsen, garniert mit Schafen, Pferden und weitläufigen Heideflächen. Es ist wunderschön und macht herrlich Spaß, die sich windenden Sträßchen, mal rechts, mal links herum, mal rauf, mal runter zu lenken. Das genau macht ja das Gespann fahren aus und uns zu Freunden des dritten Rades.
So gelangen wir nach einigen wundervollen Meilen zum kleinen Örtchen Postbridge, wo die Straße eine kleine steinerne Bogenbrücke quert. Direkt neben der überfahrenen Brücke steht eine zweite, aus groben Granitplatten gebaute historische Packhorse Bridge – die Clapper Bridge. Sie ist Zeitzeuge des Granitabbaus und diente den Transportpferden als Überquerung der zahlreichen Flüsschen im Dartmoor. Packhorse Bridges kommen in unterschiedlicher Bauweise in ganz Großbritannien vor. Diese erschien uns, trotz der Granitsteine als eher zierlich, aber doch stabil gebaut. Wir sind gerade fertig mit fotografieren und drüber spazieren, als sich ein großer Bus mit weiteren Neugierigen nähert. Zeit für uns, weiter zu fahren.Wir erinnern uns an die erstandenen Köstlichkeiten vom Bauernmarkt und gönnen uns nach der direkten Heimfahrt zu unserer kleinen privaten Waldlichtung ein schönes Abendessen mit Cider, Brot und Käse. Der nächste Fahrtag wird geplant und es wird ein langer , gemütlicher Abend vorm Zelt.
Lands End – westlichster Ort Englands. Der westlichste Punkt Englands mit Leuchtturm ist eine Landzunge Cornwalls und gehört einfach auf die Liste von sehenswerten Orten in England. Die Landzunge ist schon lange in Privatbesitz, was somit auch den geforderten stolzen Eintritt erklärt, um auch nur in die Nähe der zugegebener Maßen schönen Klippen zu gelangen. Jahrmarktmäßig aufgebaute Shops und Restaurants bilden ein buntes Drumherum, dem es kein Entrinnen gibt.
Lizard Point – südlichster Punkt England. Auf der südlichsten Halbinsel Endlands The Lizard findet sich auch ein Leuchtturm. Im Gegensatz zum Lands End wirkt dieser Ort aber geradezu idyllisch und bietet, ohne Eintritt zahlen zu müssen, einen kleinen Wanderweg direkt zu und auf die Klippen. Der Ausblick ist sensationell: Schroffe Felswände, die Gischt des Ärmelkanals bildet dicke Schaumwolken und wir müssen aufpassen, dass wir in der Euphorie des Entdeckens nicht einen Schritt zu weit gehen, denn die Felswände fallen nahezu senkrecht hinab ins Meer.
Trotz gut ausgebauter Straßen am Vortag, wollen wir es heute etwas ruhiger angehen. Da trifft es sich gut, dass wir auf der Infotafel beim Campingplatz einen Hinweis auf das ca. 80 Kilometer entfernte „Eden Project“ entdecken. Wir fragen uns, wo und was hier wohl der Garten Eden sein soll und beschließen, dieser Frage nachzugehen. Circa 90 km entfernt, in der Nähe des Ortes St. Austell, schon in Cornwall gelegen, sind wir dann mehr als begeistert, als sich uns ein fantastischer botanischer Garten eröffnet. Auf ca. 30 Fußballfeldern gibt es eine riesige Auswahl an floraler Artenvielfalt zu entdecken.
Es gibt 2 riesige Gewächshäuser, Biome, die aus mehreren geodätischen Kuppeln bestehen, in denen wir durch einen tropischen Regenwald laufen und im nächsten Moment die mediterrane Pflanzenvielfalt  dieser Erde präsentiert bekommen. Auch außerhalb der wabenartigen Glaskuppeln gibt es eine schier unübersichtliche Blumenmenge zu bestaunen, dass wir gar nicht merken, wie schnell die Zeit hier in diesem kleinen Paradies vergeht. Nach reichlich 5,5 Stunden sind wir dann wieder bei den Gespannen  und verbringen den Rest des Tages gemütlich vorm Zelt, immer noch völlig beeindruckt vom Erlebten.
Am nächsten Tag soll unsere Tour  über kleine Straßen zum Tamar Otter & Wildlifecenter führen. Es wird anstrengend. Die schmalen, unübersichtlichen Sträßchen erinnern an Hohlwege, tief in die umliegende Landschaft gebettet, rechts und links meterhoch bewachsen mit  Büschen, Blumen und Bäumen. Gäbe es Landschaft zu sehen, wir hätten kein Auge dafür, so konzentriert gilt es, rechtzeitig dem Gegenverkehr auszuweichen, Schlaglöcher zu erkennen, noch bevor sie am Gespann Schaden anrichten können. Im Wildlifecenter können wir dann an einer Greifvogelschau teilnehmen, den gierigen Ottern bei der Fütterung zusehen und lernen eine  australische Wallabymama mit ihrem Kind im Beutel kennen. Das Außergewöhnliche an diesem Park ist die Nähe zu den Tieren, einige von ihnen können wir sogar streicheln und füttern.
Nach diesem tierischen Erlebnis wollen wir einem Mythos nachgehen: Wir besuchen Tintagel, den vermeintlichen Geburtsort von König Artus und Sitz der Tafelrunde. Dieser kleine Ort mit seinem hoch auf einem Felsen direkt am Atlantischen Ozean gebautem Tintagel-Castle wird aufgrund dieser Sage seit dem 19. Jahrhundert zum Touristenort ausgebaut. Besucher, die sich für die  Ritter der Tafelrunde und dem Zauberer Merlin interessieren, finden in diesem Ort alles, was das Sagenherz begehrt.  Für unser Empfinden ist es dann doch etwas zu viel des guten Artus und so reiten wir statt zu Pferde auf unseren Gespannen zurück in unser Tipi-Castle.
Dem Tipp einer Bekannten folgend, führt uns unsere nächste Tour in den Exmoor Nationalpark. Leider fängt es ab St. Molton an zu regnen und es wird extrem neblig. In der Hoffnung auf wieder trockene Straßen, legen wir in Simonsbath eine Pause ein und lassen uns kulinarisch mit Omelett, Schinken und Pilzen verwöhnen. Unsere Rechnung geht auf, die Straßen sind wieder trocken, nur der Nebel hat sich noch verdichtet, sodass man kaum das eigene Vorderrad sieht. Auch hier gestalten sich die Straßen als sehr schmal und unübersichtlich, hoher Bewuchs verhindert den Blick in die Landschaft.
Der 1954 gegründete Nationalpark Exmoor liegt in der Grafschaft Devon und Somerset und ist benannt nach dem Fluss Exe. Seit 2011 ist dem Park die zusätzliche Eigenschaft als Lichtschutzgebiet zugesprochen worden. In diesen Gebieten wird weitestgehend auf künstliches Licht verzichtet, damit die Artenvielfalt in natürlicher Weise erhalten bleibt. Kennzeichnend für das Exmoor sind dann auch mystisch anmutende Wälder und einsame Moore. Orte findet man kaum in dieser Einöde. Der Nebel verstärkt dann auch unseren Eindruck von Einsamkeit und Naturbelassenheit. Einzig die geteerten Straßen erinnern an Zivilisation.
Kaum, dass wir den Nationalpark verlassen haben, erheben sich die Nebelschwaden und die Sonne lässt uns die letzten feuchtkalten 30 Kilometer vergessen. Wie aus dem Nichts taucht das Bark House, eine kleine Pension mit Tea Room, einladend vor uns auf. Der Wirt serviert uns hausgemachte Scones mit Butter und Marmelade, dazu natürlich Tee und wir genießen es, hier draußen in der wärmenden Sonne zu sitzen. So nahe liegen die mystische Einsamkeit Englands und die empfundene Geborgenheit bei typisch englischer Teekultur beieinander.
Was ist ein „Station master belt buster“? Antwort: Ein überdimensionales, weil in doppelter Menge serviertes Full English Breakfast. Es dient uns als sättigende Basis für unsere Weiterfahrt nach Wales. Traurig nehmen wir Abschied von diesem außergewöhnlichen Campingplatz, wo wir uns so wohl gefühlt haben und von einem Teil Englands, der von vielen Festlands-Europäern in seiner Schönheit und den kulturellen Angeboten  so oft unterschätzt wird. Wir haben in wenigen Tagen ein breites Angebot an Landschaft, Geschichte und interessanten Orten kennengelernt, sodass es uns nun für die letzten verbleibenden Tage in einen  Teil Großbritanniens zieht, der uns schon auf einigen Reisen in den Bann gezogen hat: Das Land des roten Drachens und der Waliser.
Wales
Auf den heutigen 280 Kilometern lassen wir Cornwall und das Exmoor hinter uns.
Schon bald kommt die imposante Autobahnbrücke bei Bristol in Sicht. Jetzt sind es nur noch wenige Kilometer bis Wales. Wir freuen uns auf schöne Touren in einsamer Landschaft, auf lange Spaziergänge und auf ausgedehnte Besuche in der Bar „Farmers Arms“ in Cwmdu. Hier in dem kleinen Ort Cwmdu sind wir mit unserem Freund Chris verabredet. Chris ist wahrscheinlich der bekannteste unter den unbekannten Motorrad-Weltreisenden und da er sich gerade für ein paar Monate  in seinem Heimatland England aufhält, begleitet er uns in den nächsten Tagen auf unseren Touren.
Der kleine Ort Cwmdu liegt verkehrstechnisch sehr günstig inmitten des Nationalparks Brecon Beacon. Die Straßen hier sind schmal und kurvenreich. Steigungen im zweistelligen Bereich sind keine Seltenheit , aber für erfahrene Fahrer auch mit dem Gespann gut zu bewältigen. Als Kontrastprogramm zu den letzten mit Aktivitäten gefüllten  Touren wollen wir die Tage in Wales etwas ruhiger angehen und einfach ohne großes Ziel ein paar Runden drehen. Am nächsten Morgen starten wir dann auch sehr relaxed unsere erste Ausfahrt. Kaum verlassen wir die  Hauptstraße, finden wir uns nach ein paar Kilometern zwischen schmalen Bächen und grüner Hügellandschaft in einsamer Natur wieder.Wir legen immer wieder kleine Fahrpausen ein. Es ist einfach zu schön hier, um einfach nur mit dem Motorrad über die Straßen zu rauschen. Hier im Nationalpark liegen zudem viele Orte, deren keltische Namen unaussprechlich scheinen: Brynmawr, Llangynidr und Pentre-Ty-Gwyn sind nur einige davon und auch Y Ddraig Goch, der rote Drache von Wales, ist unser ständiger Begleiter. Er ist fester Bestandteil der Geschichte von Wales und ziert als Symbol die waliser Nationalflagge.
Leider vergehen die Tage wie im Flug und schon bald müssen wir uns auch von Wales verabschieden. Auf der Fahrt zurück nach Dover erwischt mein Vorderrad dann noch ein großes Schlagloch: Es knallt mächtig und am Abend entdecke ich an der Vorderachse Fettspritzer. Das Gespann rollt jedoch noch einwandfrei ohne Geräusche, also fahre ich weiter so lang es so bleibt. Noch eine Übernachtung in Dover, noch ein Besuch in der kleinsten Bar und schon bringt uns am nächsten Tag die Fähre aufs europäische Festland zurück. Die Heimfahrt verläuft dann ohne weitere Probleme, auch das Radlager hält bis in die Garage. Glück gehabt. Bis zum nächsten Fernweh ist alles repariert.
Mopedstiefel vs. Wanderschuhe
Ein Tag ohne Motorrad, aber mit Wanderkarte und festem Schuhwerk, machen wir uns auf, die Gegend rund um Cwmdu zu erkunden. Wir stellen schnell fest, dass es schon etwas Fitness bedarf, die Hügel zu erklimmen. Belohnt werden wir dann aber mit herrlichen Ausblicken und kleinen Highlights, die sich vielleicht eher einem Wanderer erschließen, wenn der Weg Schritt für Schritt bewältigt werden muss.
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