Marokko 2017 - Regina`s gespannte Reiseseite

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Marokko 2017
Eine Reise zum Verlieben...
... in ein Land voller Gegensätze und Schönheiten, Abenteuer und netten Menschen !

Schon einige Zeit reifte in Martin und mir der Plan, nach Marokko zu fahren. Für Martin nicht das erste Mal, aber für mich würde es die erste Reise außerhalb Europas werden. Ich hatte nur eine sehr vage Vorstellung von diesem Land in Nordafrika. Wie sehen die Straßen aus? Kann ich mich als Frau dort frei bewegen oder muss ich mit Konflikten rechnen?
Eine Erkenntnis des Reisens ist: Das Reisen gibt einem die große Chance, mit Vorurteilen aufzuräumen, direkt vor Ort Menschen und ihr Leben kennenzulernen... Erfahrung kommt von "fahren". Auf geht`s !
Please use the google translater ---->
Als unsere Freundin  Diana von unserem Plan erfuhr, entschied sie sich spontan, uns zu begleiten. Jetzt musste nur noch Peter vom ursprünglichen Reiseziel Island auf Marokko umgestimmt werden und einen weiteren Freund, Wilfried, hatten wir eh schon mit eingeplant. Wir waren also zu Fünft. Drei Gespanne und zwei Solomotorräder.
Doch wie wollten wir Marokko erreichen? Auf eigenen Rädern, selber in einem Transporter die Motorräder mitnehmen oder vielleicht die Motorräder durch eine Spedition nach Spanien bringen lassen?
Im Oktober 2016 begann die Planung: Es wurden Speditionen angeschrieben, Preise verglichen und manchmal einfach alle Ergebnisse wieder verworfen, weil es einfach zu kostspielig geworden wäre.
Am Ende eines langen Winters stand fest: Wir fahren auf eigenen Rädern zuerst zu Diana in die Schweiz, weiter in`s Tessin zu ihrem Arbeitskollegen und am dritten Tag dann bis zum Hafen von Genua, um dort die Fähre nach Tanger zu nehmen.


Samstag, 29.04.2017   - Montag, 01.05.2017  Tag 1 -3    - ca. 890 KM -
Wie geplant, holen wir Diana bei bestem Wetter aus Wittnau im Kanton Aargau ab, fahren dann am Vierwaldstätter See entlang weiter zum Kollegen, besuchen noch schnell das ACE Cafe in Luzern und am dritten Tag erreichen wir unter einer dicken Regenwolke Genua. Unterwegs werden wir fast von der Straße gespült, so gießt es vom Himmel. Die Straße hat teilweise tiefe Schlaglöcher und die Durchfahrt birgt manches mal eine holprige Überaschung. Gischt spült bis über den Tank und wir sind am Ende froh, heil den Hafen von Genua zu erreichen.
Nachdem die Formalitäten  erledigt sind, reihen wir uns im Hafenterminal  in eine der Warteschlangen ein, nichts ahnend, wie lange wir dort ausharren müssen...
... auch nach Ende der Checkin-Zeit ist von unserer Fähre noch kein Schornstein in Sicht. Es wird immer kälter und unangenehmer und ich ertappe mich dabei, die Wohnmobilisten um ihr rollendes Eigenheim zu beneiden. Währenddessen bleibt uns somit viel Zeit, uns umzuschauen: Schon hier nutzen einige Verkäufer die Gelegenheit, bunte Tücher an den Mann/die Frau zu bringen. Wir staunen nicht schlecht, wieviel Ladung auf einen marokkanischen PKW passt und wie wenig Platz ein Mitfahrer braucht, weil auch im Inneren der wartenden Fahrzeuge jeder noch so kleine Luftraum für Gepäck genutzt wird. Insgesamt warten wir am Ende 7 Stunden, bis sich endlich das Heck der Fähre öffnet. Die Sonne ist schon lang untergegangen und jeder Reisende ist froh, endlich in den Bauch des Fährschiffes einzutauchen.
Die Fährfahrt bis Tanger dauert lange 48 Stunden. Auf dem Schiff gibt es kaum Abwechslung und so bleibt viel Zeit, die Mitfahrenden zu beobachten: Auffällig ist, dass die marokkanischen Männer sich , je näher wir nach Tanger kommen, äußerlich verändern. Zuerst noch europäisch gekleidet, erscheinen sie nach und nach in typisch marokkanischem Djellaba, einem langen Umhang, der mich an ein langes Nachthemd erinnert. Kurz vor Ende der Überfahrt sitzen sie an Deck und rauchen Shisha...
Am 5. Tag unserer Reise legt die Fähre pünktlich abends um 21.45 Uhr in Tanger-Med an, das Chaos beginnt: Die Fahrzeuge stehen unter Deck kreuz und quer, mal in Fahrtrichtung, mal entgegengesetzt. Das ergibt schon beim Entladen ein Durcheinander, welches ich so noch nicht gesehen habe. Endlich stehen wir beim Zoll, warten dort auf die Kontrolle, als uns hin und her hetzende Jugendliche auffallen, die immer wieder über den hohen Zaun klettern, um die Reisenden um Geld anzubetteln. Sie werden von den Grenzbeamten regelrecht gejagd und  es erscheint uns wie ein makabres Katz-und-Maus-Spiel mit open end... Nach endlosen Diskussionen um das exakte Ausfüllen der Zollpapiere, nach schikanösen Aufforderungen, die deutsche Nationalhymne zu singen und einigen unschönen Kraftausdrücken unsererseits, finden wir uns mitten in der Nacht auf einer stockdunklen  marokkanischen Autobahn wieder, die uns nachTanger zu unserem Hotel führt. Das  Hotel Continental befindet sich in der Altstadt und aufgrund der fortgeschrittenen Zeit lassen wir uns für einige Dirham von einem Einheimischen den Weg dorthin zeigen. Die Motorräder stehen um 2.00 Uhr nachts endlich sicher im Innenhof und wir haben uns einen langen und erholsamen Schlaf redlich verdient.

Tag 6   Tanger - Tetuan - Chefchaouen 160 Km
Am nächsten Tag sieht die marokkanische Welt schon viel sonniger aus. Wir staunen beim Anblick des Frühstücksraumes über die wunderschönen Mosaike an den Wänden. Eingetaucht in eine andere Kultur, freuen wir uns auf unser heutiges Ziel: Chefchoauen, die Blaue Stadt, am Rande des berüchtigten Rifgebirges im Norden Marokkos.
Das Rif-gebirge hat auch heute noch einen zweifelhaften Ruf, da es  als größtes Cannabis-Anbaugebiet weltweit bekannt ist und Chefchaouen als Umschlagsplatz eine große Rolle spielte. Nur langsam ändert sich das Bild und die Stadt hat den Reisetourismus als Einnahmequelle entdeckt.
Nachdem unsere Zelte auf dem einzigen Campingplatz am Stadtrand aufgestellt sind, wollen wir diese faszinierende Stadt zu Fuß erkunden: Wir tauchen ein in ein quirlig buntes Leben mit tobenden Kindern, Marktbeschickern in traditionellen Trachten und eine unüberschaubare Auswahl von Waren aller Art. Es wird verhandelt, getratscht und gelacht...und an manchen Läden verrät allein schon der entgegenströmende Duft, welches Warenangebot in der Auslage liegt: Es gibt ganze Läden voll mit verschiedensten Seifen, Gewürzen und Kräutern. Restaurants laden mit ihrem gemütlichen Ambiente zum Verweilen ein und einzelne bemalte Schilder lassen mal einen Zahnarzt, mal eine Elektrowerkstatt erkennen. Das ansprechenste aber, was uns hier beeindruckt, sind die blauen Farben, die dieser Stadt ihren Beinamen geben. In den engen Gassen der Medina laufen wir tatsächlich Gefahr, die Orientierung zu verlieren, so eng und verschlungen sind die schmalen Wege, denen wir wie hypnotisiert folgen. Müde vom Laufen und überladen von optischen Eindrücken, genießen wir am Ende unseres Rundgangs in einem Straßenlokal unseren ersten frisch aufgebrühten Minzetee. Minzetee wird in den nordafrikanischen Ländern als erfrischendes Allroundgetränk zu jeder Tageszeit getrunken und wird auch uns während der gesamten Reise begleiten.
Reiseknigge  Marokko
Es gibt einige Benimmregeln in Marokko, die ein Reisender aus Respekt und Hochachtung vor der Bevölkerung beachten sollte.
Fotografie: Das Fotografieren von Frauen gilt als verboten und wird auch lautstark ermahnt, sowohl von den Frauen selber, als auch von anderen unbeteiligten Personen.
Umgang allgemein: Körperliche Berührung zwischen den Geschlechtern, sowie ein fester Handschlag bei Begrüßung ist nicht gewünscht. Männer begrüßen sich gegenseitig maximal mit Antippen der Hände sowie anschließendes Fassen an die eigene Brust. Frauen, auch Touristinnen, werden gern von Einheimischen ignoriert: Bei der Fahrt im Taxi in Chefchaouen zum Campingplatz wollte ich dem Fahrer das Geld reichen. Er ignorierte mich demonstrativ, forderte und nahm dann das Geld aus der Hand Wilfrieds. ( Mir stellte sich gleich die Frage, was wohl passiert, wenn ich als Frau allein in ein Taxi steige...?)
Als Reaktion meinerseits nutzte ich ebenso das Mittel der Ignoranz und hatte im Verlauf des Urlaubs immer einen freien Weg, da jeder Mann, der mir entgegen kam, automatisch ausweichen mußte...
Ignoranz ist im Umgang mit einheimischen Verkäufern in den engen Souks  ein probates Mittel, nicht belästigt zu werden. In Marrakech funktioniert es zwar nur zeitweise, ist aber durchaus hilfreich. Reicht Ignoranz nicht, so hilft ein lautstarkes "Stopp" mit Unterstützung einer abwehrenden Hand. Hat man diese Verhaltensweise erst einmal verinnerlicht, kann man sich  als Reisender ziemlich unbehelligt in den schmalen Gassen bewegen.                                         Klick hier----> Reiseknigge Marokko
Diese Berberfrau trafen wir unterwegs im Nirgendwo...

Tag 7        Chefchaouen - Ouezzane - Meknes - El Hajeb - Azrou - Timahdite   315 Km

Vom Norden Marokkos aus starten wir heute Richtung Süden. Die Straßen sind schlechter als vermutet und wir kommen nicht recht voran. Bei den 3 nächsten Tankstopps gehen unsere Tanks leer aus, sodass wir schon überlegen, welche Alternative zu den Tankstellen sich bieten könnte, da haben wir an der vierten Tankstelle Erfolg und weiter geht`s mit vollen Tanks und Kanistern. Wir tauchen ein in die sanften Hügel des Mittleren Atlas, die eine ungeahnte grüne und bunte Vielfalt an Bewuchs bietet, die ich mir vor unserer Fahrt nie hätte erträumen lassen. Mehrfach halten wir an, um ganze Fotoserien zu schießen, doch die Zeit drängt, der Tag neigt sich schnell zum Abend hin...
Unser eigentliches Tagesziel Midelt verlieren wir bald aufgrund der Straßenverhältnisse und der vielen Fotopausen aus den Augen und so verbringen wir die nächste Nacht spontan in einer am Straßenrand  bei Timahdite auftauchenden Auberge " La Forestiere"
Bei genauerer Betrachtung der Landschaft fühlen wir uns hier an Schottland erinnert: Aufgestapelte Steinwälle, eine sanft hügelige grüne  Landschaft zeigt sich uns eigentümlich vertraut. Wir befinden uns allerdings im Mittleren Atlas, der nördlich an das  Rif-Gebirge grenzt und südlich bis an den Hohen Atlas heranreicht. Je weiter wir allerdings Richtung Süden kommen, desto trockener wird das Klima.  Es liegt eine Steinwüste vor uns, in der jedes noch so kleine Wasserloch für Viehherden überlebenswichtig ist.
In der Auberge bietet uns der Wirt Bier zum Abendessen - wir sind erstaunt, da der Ausschank von Alkohol in Marokko nicht üblich ist und freuen uns entsprechend. Gut gelaunt besprechen wir im schattigen Garten die nächste Tagesetappe und genießen das erste Mal auf dieser Reise das Gefühl von Abenteuer und Freiheit...
Tag 8 Timahdite - Midelt - Erfoud - Rissani - Merzouga  360 Km

Bevor wir heute aufbrechen, nutzen wir die noch milden Temperaturen, um einige Kontrollen an den Fahrzeugen vorzunehmen. Auch das gehört von Zeit zu Zeit dazu, da ein Liegenbleiben im Nirgendwo mit einigen Schwierigkeiten verbunden sein könnte. Beäugt wird das Ganze von der Hauskatze und dem jungen "Wach"-Hund, einem verspielten Junghund, dem es augenscheinlich recht gut geht... eine weitere Frage, die sich mir schon im Vorfeld stellte: Wie wird in Marokko mit Tieren umgegangen?
Im Laufe der Reise konnte ich feststellen, dass es scheinbar wenige Straßenhunde in Marokko gibt und die, die ich sah, waren gut genährt und sahen unversehrt aus. Auch den Nutztieren wird ein gewisser Respekt entgegen gebracht, zumindest mutet man ihnen beim Transport ähnliche Strapazen zu, wie auch den Menschen: Gemeinsam  kauern sie in mehreren Ebenen auf Ladeflächen und erdulden die holprigen Straßen bei Hitze und Staub.
Schnell stellen wir auch heute wieder fest, dass es eng mit unserem heutigen Tagesziel werden könnte: Queds, fast ausgetrocknete Flussbetten,  Palmenhaine und bunte Blumenteppiche... es gibt immer wieder so tolle Eindrücke, dass ein Anhalten zur Pflicht wird.
Heute wollen wir Merzouga am Rand der Sahara erreichen und lassen es ruhig angehen. Das ändert sich, als wir am Horizont dunkle Wolken bemerken. Eigentümlich braun scheinen sie: Ein Sandsturm braut sich zusammen und wir beschleunigen die Fahrt.
Als wir Rissani erreichen, vermissen wir etwas genervt Hinweisschilder nach Merzouga und bei einer Nachfrage am Straßenrand kommt meine Hand-Fuß- Konversation zum Einsatz. Mit Erfolg: Kurz bevor der Sandsturm richtig losgeht, beziehen wir in der "Auberge Africa" unser Zimmer und können wenig später bei Tee und Wasser im Haupthaus den Sturm aus sicherer Unterkunft beobachten. Unsere Gespanne stehen draußen, die Solomotorräder genießen die Bevorzugung, im Foyer ein ruhiges Plätzchen gefunden zu haben.
Leider verhindert der Sandsturm ein Fotografieren des sagenhaften Sternenhimmels in der Wüste. Der Himmel bleibt bedeckt und mir nichts anderes übrig, auf den nächsten Tag zu hoffen.


Tag 9 Relaxing in der Auberge Africa und Besuch Merzougas
Diesen Ruhetag brauchen wir heute. Martin und Wilfried wollen versuchen, einmal um den Erg Chebbi herumzufahren. Nach 2 Stunden brechen sie ab, da ein neuer Sandsturm aufzieht. Diana und ich schauen uns Merzouga an, gehen bummeln und erproben uns beim shoppen im Feilschen um jeden Dirham...
Ein Motorradfahrer einer Rallygruppe hat ein kleines Problem mit der Motorentlüftung, aber kann nach ein paar Minuten weiterfahren... es ist schon eine andere Welt hier draußen im Erg Chebbi. Faszinierend!
Tag 10 Montag  Erg Chebbi - Rizzani - Alnif - Tenahir - Todraschlucht - Agoudal         286 Km

Heute Morgen endlich mal wieder blauer Himmel ! Endlich fotografieren! Viel Zeit bleibt allerdings nicht, weil wir heute eine längere und interessante Strecke fahren wollen. Die Landschaft ist so wunderschön, dass wir aber doch immer mal wieder anhalten, um Fotos zu machen oder kleine Filmchen zu drehen. In Alnif halten wir an, wir haben Hunger. Verhungern muss man nicht in Marokko. Es gibt so ziemlich in jedem kleinen Ort kleine Restaurants, die die traditionelle Tajine sowie andere Köstlichkeiten anbieten. Nebenan schauen wir dann auch gleich zu Mohammad Bouyiri in seinen kleinen interessanten Laden, in dem Mineralien, Fossilien und traditioneller Schmuck angeboten wird. Mohammad ist ein Experte in seinem Fach, war mit seinen Fossilien schon in Europa auf großen Ausstellungen und erzählt stolz von Begegnungen mit internationalen Kollegen. Diana und ich erliegen dem Charme dieses Marokkaners , lassen uns einlullen ...und kaufen für angemessene Dirham einige sehr schöne Schmuckstücke.

Weiter gehts Richtung Todra-Schlucht. Die Straße windet sich durch enge Felsspalten hindurch, die an der engsten Stelle gerade einmal 10m breit, dafür aber 300 m hoch sind. Das Wasser fließt hier dank einer Quelle ganzjährig und versorgt dadurch die Bewohner zuverlässig mit Wasser. Hinter der engen Durchfahrt öffnet sich das Tal und wird weitläufig und steinig. Ein Gefühl der endlosen Freiheit macht sich breit. Völlig entspannt kommen wir in Agoudal an und finden auch schnell unsere nächste Übernachtung, die Auberge Ibrahim. Der Empfang ist total nett, wir können die Motorräder im Innenhof der Auberge parken und bekommen die einfachen aber sauberen Zimmer gezeigt. Als wir nach der Frage, ob wir etwas essen wollen, mit Couscous antworten, ist die Freude unseres Gastgebers groß und sogleich macht einer von den Jungs sich auf den Weg um entsprechende Zutaten zu beschaffen. Das Essen ist der Hammer! Der Tisch biegt sich unter der Vielfalt der Gerichte. Alles ist frisch zubereitet und schmeckt köstlich!
Der Tag heute war wieder klasse, das Essen in unserer Unterkunft war dann das Sahnehäubchen...

Tag 11  Agoudal - 50km Schotterstraße bis Msemrir - Dadesschlucht - Ouarzazate    250 km

Eigentlich möchte ich gern noch hier in der Auberge bleiben: Es ist so ruhig hier, die Landschaft so weitläufig und die Menschen sehr  zuvorkommend nett. Okay, verlässt man die Unterkunft, warten draußen handaufhaltende Kinder. Es ist ein Spiel, den Kindern geht es nicht schlecht, sie wissen, wo was zu holen ist, auch wieder irgendwie verständlich. Das Dorf ist arm, da schaut man, wo man bleibt.
Nach einem perfekten Frühstück wollen wir aufbrechen, doch eine dicke schwarze Wolke sorgt dafür, dass wir noch etwas warten. Wissend, dass wir heute eine ungeteerte Straße fahren werden, warten wir den kurzen Regenschauer ab.

























Der Abschied ist herzlich, wir rollen winkend durch`s Dorf, biegen nach rechts ab und ein paar hundert Meter weiter befinden wir uns im steinigen Umland. Einige Kinder laufen neben uns her, einer auf einem Fahrrad . Der Junge mit dem Fahrrad wird dann auch Diana zum Verhängnis: Um eine Kollision zu vermeiden, muss sie abrupt bremsen und legt dabei ihre Africa Twin auf die Seite. Das hat einen verbogenen Seitenkoffer zur Folge. Diana bleibt zum Glück aber unversehrt.
Dann folgt über viele Kilometer Schotter satt. Der Weg neigt sich leicht nach links, da ist beim Gespann heftiges Gegenlenken wichtig, sonst driftet die Fuhre immer weiter Richtung Abhang. Nach einer kleinen Eingewöhnungszeit macht das Driften richtig Spaß, Gas ist rechts...
Nur wenn Gegenverkehr auftaucht, gilt es langsamer werden und Platz machen, da zählt bei einigen Passsagen jeder Zentimeter.
An der Dadesschlucht angekommen, beeindruckt natürlich der spektakuläre Serpentinenabschnitt mit seinen 150m Höhendifferenz. Doch auch die markanten roten Felsen und steil abfallenden Berghänge geben uns eine faszinierende Aussicht.
Die Straße nach Ouarzazate fällt dagegen dann mehr als langweilig aus und zieht sich wie Kaugummi. Als wir in der Stadt ankommen, empfängt uns eine schnurgerade Hauptverkehrsstraße, die promenadengleich in die Stadt hineinführt. Die Verkehrsdichte nimmt rasant zu und die Stadt wirkt abweisend auf mich. Hektik und Krach -
was für ein Unterschied zu den letzten Tagen.
Wir suchen den Campingplatz "La Palmerei" und finden ihn dank unserer Navigationstechnik endlich nach einigen Irrwegen. Im Internet wirbt der Betreiber mit der Beschreibung " Oase der Ruhe". Eine schöne Oase inmitten der quirligen Stadt können wir bestätigen, nicht jedoch die Ruhe. Auf dem Platz gibt es Hühner, Truthähne, Esel, Katzen und Hunde, sogar ein Pfau stelzt auf den Dächern der berberartigen Unterkünfte. Im Teich nebenan quaken Frösche und stehen scheinbar in Konkurrenz mit einem Kauz, der sein Bestes gibt, diese Herausforderung zu gewinnen. Aber nein, auch nächtens gibt der Pfau seinen Schrei ab... da erscheint das Bellen der Hunde in den umliegenden Straßen vergleichsweise leise. Schade, denn der Platz ist sehr schön. An Schlaf ist nicht zu denken.





Tag 12 Ouarzazate - Tizi-n-Tichka-Pass - Demnate - Ouzoud   ca. 30 Km
Tag 13 Besichtigung und Ruhetag

Nach einer unruhigen Nacht in der "Oase der Ruhe" nutzen wir diese quakende, schreiende und grunzende Ruhe dazu, Diana`s Koffer mit ein paar Hammerschlägen zu richten. Heute stehen die Wasserfälle von Ouzoud als Tagesziel auf unserem Navi. Wir fahren den Tizi-n-Tichka-Pass, der immerhin eine stattliche Höhe von 2260 m erreicht. Leider gibt es auch hier ein paar Streckenabschnitte, die volle Konzentration erfordern: So fahren wir in eine Baustelle, wo kurzerhand der Straßenbelag einfach und plötzlich nur noch als Schotter vorhanden ist. Und als ob das nicht reicht, kommt uns ein LKW mit unverminderter Geschwindigkeit entgegen. Er wirbelt so viel Staub auf, dass wir sekundenschnell gänzlich ohne Sicht  im absolutem Staubnebel fahren. Was für eine Schrecksekunde! Da heißt es nur, Lenker fest im Griff und das Gespann auf Spur halten...


In Ouzoud angekommen, suchen wir als erstes den Campingplatz Zebra . Er befindet sich mitten im Ort und wird von einem Niederländer geführt, der mit sehr engagiertem Personal einen feinen Platz geschaffen hat: Es gibt Hütten und auch Stellplätze für Wohnmobile und Zelte. Martin und ich stellen unser Zelt auf, obwohl auch hier der Boden aus grobem Schotter besteht, eher nicht einladend. Die Anderen beziehen Zimmer in den Hütten - alle sind zufrieden.
Wir treffen uns etwas später in der sehr gemütlichen Lounge, wo wir uns als erstes etwas zu essen bestellen. Sehr lecker!
Am nächsten Tag laufen wir zu Fuß zu den Wasserfällen. Uns wird schnell deutlich, dass auch hier die Natur touristisch ausgeschlachtet wird. Überall stehen kleine Holzhütten mit Souvenirs, selbstgemacht oder auch billige Plastikware... und kleine Restaurants. Es wimmelt von Menschen, wir gehen einfach der Masse hinterher...und dann sehen wir sie: Die Wasserfälle von Ouzoud. Sie sind schon beachtlich hoch und wir bereuen trotz Touristenrummel nicht, hier hergekommen zu sein.
Wir gehen eine Komplettrunde um die Wasserfälle herum, sind aber dann doch froh, dass wir uns quasi als Entschädigung für den Tages-Trubel am Abend auf dem Campingplatz richtig wohlfühlen können.



Tag 14  Ouzoud - P3105 nach Norden auf N8 Marrakesch von Norden her angefahren  200 Km
Die Straße, die wir heute auf dem Weg nach Marrakesch nehmen, windet sich in wunderschönen Kurven und bestem Zustand vor unseren Rädern. Es macht mal wieder richtig Spaß und auch die Augen werden mit tollen An- und Aussichten belohnt. Am Ende der gut ausgebauten Strecke taucht wie aus dem Nichts dann unvermittelt eine kleine spektakuläre Eisenbrücke auf. Ab jetzt geht es hinab in`s Flachland. Bienenstöcke mit den dazugehörenden Verkaufsbuden säumen den Weg, aber leider auch auffällig viele tote Tiere, die vergessen am Straßenrand liegen: Ich zähle 5 tote Kälber, 2 Schafe und einen Hund... Wieso liegen tote Kälber am Straßenrand? Diese Frage beschäftigt mich schon irgendwie: Ich tippe auf Verkehrsunfall mit "Todesfolge". Wenn man die Beladung der Kleintransporter sieht, wundere ich mich über gar nichts...
Bei einer Straßenbaustelle dann eine Verkehrsberuhigung der brutalen Art: Der Belag geht in groben Schotter über - so weit so gut. Dann aber kommt völlig unvermittelt ein kleiner aufgeschütteter Schotterdamm auf uns zu. Ausweichen unmöglich. Mit ca. 60-70 km/h knallen wir drüber weg. Mein Gespann verliert komplett den Bodenkontakt und kracht im nächsten Moment wieder unsanft auf die Straße! Yeaaahhh! Noch alles am Moped?  Ja, alles dran - gut gepackt...
Ein Blick zu Martin nach vorn  und der nächste Blick in den Rückspiegel beruhigt mich: Scheinbar hat niemand Schaden davongetragen. Alles gut!
10 Kilometer vor Marrakesch beziehen wir auf der Hotel- und Campinganlage " Le relais de Marrakesch" eine gemütliche Berberzelthütte. Im eigenen Zelt schlafen scheint auch hier nicht möglich zu sein, da wir keine Preise für die Zeltübernachtung finden...
Abends nutzen wir einen Taxi-service und lassen uns direkt in die Innenstadt von Marrakesch bringen. Wir ersparen uns damit eine lästige Fahrt durch die Innenstadt und können  auch entsprechend locker gekleidet und entspannt in das Abendleben von Marrakesch, der Perle des Südens,  eintauchen.
Gelangweilt stehen am Rand des berühmten Platzes "Djemaa el Fna" Pferdekutschen auf Kundschaft wartend. Wir gehen zu Fuß weiter und tauchen ein in einen unbeschreiblich lauten und bunten Trubel: Menschen laufen durcheinander, Touristen knipsen, Händler schieben vollgeladene Karren vor sich her und Schlepper versuchen, uns in Restaurants, Läden oder andere Etablissements zu locken... Es gibt viele Bettler: Kinder, alte Menschen in Rollstühlen stehen einfach handaufhaltend da. Berührt von dieser Szenerie komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus...



Den nächsten Tag nehmen wir uns viel Zeit, um durch den Souk zu tingeln. Es ist schon eine völlig andere Welt in die wir eintauchen. Als ich mir eine Leinenbluse anschaue, kommt der Verkäufer schnell auf mich zu und lobt die Qualität seiner Ware. Leider muss er einen Jungen schicken, um eine Bluse in meiner Größe zu holen. Wohl, um die Wartezeit zu überbrücken, bietet er mir an, mir etwas zu zeigen: Er nimmt mich bei der Hand und eh ich mich"wehren" kann, zieht er mich quer über den Weg in ein gegenüberliegenden Lampenladen. Den durchqueren wir im Rechts-Links-Schlenker und steigen durch einen winzigen Holzverschlag nach draußen. Ein Hinterhof taucht auf. Hier staune ich nicht schlecht. Überall hängt bunte frisch gefärbte Wolle zum trocknen. Menschen arbeiten hier teilweise unter freiem Himmel, alle lachen und sind sehr freundlich. Ein engagierter Verkäufer zeigt mir die Farbpulver und demonstriert, wie sich die Farbe verändert, wenn sie mit Wasser in Berührung kommen. Natürlich will er mir seine Tücher verkaufen... Mein Argument, dass ich nur grad genug Geld für die avisierte Bluse habe und mein Mann mir nicht mehr mitgegeben hat, zeigt aber sofort Wirkung und ich "darf" ohne Tuch wieder zurück in den Blusenladen. Bei dieser Argumentation verliert niemand sein Gesicht, Verkäufer verstehen sofort und akzeptieren es.

Tag 16   Marrakesch - Azrou  411 Km

Fahrerisch spulen wir heute eher langweilige 330 Kilometer ab. Bei einer Pause bekommen wir dann aber an einem Straßenimbiss  die frischesten Hühner gereicht, die ich je gegessen habe: Direkt in unserer Nachbarschaft sitzen 2 Frauen, die die frisch geschlachteten Hühner rupfen und putzen... Sie freuen sich, dass es uns schmeckt und rupfen fröhlich weiter. Erst die letzten 80 Kilometer führen wieder kurvenreich am Rand des Atlasgebirges entlang. Martin hatte bei der Planung für uns den Campingplatz "Amazigh"* ausgesucht. Eine sehr gute Wahl, wie sich sofort zeigt: Der Platz ist eine große Kirschplantage... als wir ankommen, bietet uns der Platzinhaber an, so viele Kirschen zu pflücken, wie wir mögen. In Marokko Kirschen pflücken und essen, bis der Magen streikt....was für ein tolles Leben!

* Amazigh ist das arabische Wort für Berber
Am nächsten Tag erleben wir kurz hinter Azrou eine kleine Überaschung: Auf unserer Route nach Fes fahren wir durch Ifrane. Saubere, gut ausgebaute Straßen, Sporthotels, Golfanlagen und moderne Parkanlagen bestimmen das Bild. Sogar der König hat hier einen Palast. Wir staunen nicht schlecht, weil diese Stadt so gar nicht in das Gesamtbild Marokkos zu passen scheint. Aber auch in Marokko gibt es reiche Menschen und diese treffen sich in Ifrane.
Für die zwei Nächte, die wir in Fes verbringen wollen, haben wir uns vorab einen Freizeit-und Campingplatz ausgesucht. Es ist wie fast überall: Der Campingbereich gleicht einem Bolzplatz und wirkt auf uns eher abweisend. Kurzerhand nehmen wir uns ein ganzes Ferienhaus. Zu fünft ist das finanziell erschwinglich. Auch dieser Platz bietet einen Taxiservice, den wir auch am gleichen Abend noch nutzen, um uns in die Neustadt von Fes bringen zu lassen.
Die Neustadt beeindruckt uns durch ihr modernes, junges Erscheinungsbild. Frauen ohne Schleier, geschminkt und scheinbar sehr selbstbewusst. Lokale, Boutiquen und Restaurants reihen sich als Flaniermeile aneinander. In der Parkanlage der Boulevardstraße können Kinder auf Elektrogespannen ihre Runden drehen ! Sehr sympathisch...
Am nächsten Tag folgt dann der obligatorische Besuch der Medina, der Altstadt von Fes: Was sofort auffällt ist, dass die Verkäufer hier nicht ganz so aufdringlich erscheinen. Wir genießen den Gang durch die sehr engen Gassen und fühlen uns zu keiner Zeit bedrängt oder belästigt. Die Menschen hier sind deutlich zurückhaltender als in Marrakesch und sehr höflich. Ansonsten wird auch hier die ganze Warenvielfalt Marokkos angeboten. In Fes würden wir gern noch länger verweilen, doch wir müsen weiter, denn auch dieser Urlaub geht leider viel zu schnell zu Ende.
Am letzten Tag unserer Reise genießen wir noch einmal die weitläufige Landschaft, halten noch einmal an einer der vielen Garküchen an und bestellen ein letztes Mal die schon vertraute Tajine.
Die Fähre in Tanger-Med wartet diesmal schon, als wir die Zollabfertigung passieren. Ein letzter Blick zurück und unser kleines Abenteuer Marokko ist zu Ende.


Ein Land wie Marokko ist zu vielfältig und spannend, als das man es in zwei Wochen gänzlich erkunden kann.
Es gibt noch so viel zu entdecken - beim nächsten Besuch im Königreich Marokko.
 
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